LIFE AFTER PI ist eine kurze Dokumentation der Fehler in der VFX-/Filmindustrie, die zum Untergang von Rhythm & Hues (R&H) geführt haben. Die beiden ehemaligen Mitarbeiter – Christina Lee Storm und Scott Leberecht – wollen helfen, indem sie das Unglück versuchen zu verstehen. Dieser Untergang ist nun gut 1 Jahr her und war der Beginn einer weltweiten Bewegung. Der Film verbreitet sich gerade in enormer Geschwindigkeit. Als ich ihn gesehen hatte, wurde er gerade etwa 14.000 mal gesehen, ein paar Stunden später sind es bereits über 90.000 Klicks.

Hintergrund des ganzen ist der Bankrott von Rhythm&Hues (R&H), ein führendes und international tätiges Postproduktionsunternehmen für Hollywoodfilme und Werbung, die gerade noch den Oscar für „Life of Pi” erhalten, dann mit einem Notkredit die aktuellen Arbeiten beenden mussten und im Anschluss den Laden dicht gemacht haben. Trotz des Oscars und erfolgreichen Filmproduktionen wurden viele Mitarbeiter am Ende nichtmal bezahlt. Mit dieser Ungerechtigkeit erreichte eine bislang von Hollywood und der Öffentlichkeit ignorierte Krise einen neuen Höhepunkt. Dadurch entstand eine Solidaritätsbewegung, die sich durch die ganze Filmbranche zieht.

life after pi

„Es war eine Art Verarbeitungs-Mechanismus, der bei mir gestartet hat“, sagt Scott Leberecht. „Es ging darum alles aufzunehmen, weil das Gefühl der Traumatisierung dazu führt Details zu vergessen, und ich wollte nicht diese kleinen Dinge vergessen. Ich wollte ein Werkzeug erschaffen, mit dem man verstehen kann, was in unserer Industrie los ist.“

Die selbstfinanzierte, 30-minütige Dokumentation wurde in 2 Wochen gedreht und zeigt verschiedene Interviews mit dem Führungspersonal von Rhythm&Hues – darunter auch dem Gründer John Hughes und President Lee Berger. Trotz der kurzen Laufzeit wird sehr schön die besondere Sicht von Seiten der Beteiligten aufgezeigt. Die letzten Jahre sinkender Margen und ausländischer Hilfsgelder haben der Kalifornischen VFX-Industrie sehr zugesetzt. Arbeit wird immer mehr nach U.K und Canada abgegeben. Das Ergebnis, über 20 Special-Effects-Firmen haben in den letzten 10 Jahren geschlossen. Die Geschäftsleute nutzen diese Situation schamlos aus und machen feste Verträge für Projekte, zusätzliche Kosten aufgrund von Änderungen müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

“Rhythm&Hues war ein Opfer dieses Wandels im Geschäft und hatte nicht den notwendigen Einfluss, um mit den größten Kunden, den Filmstudios auf Augenhöhe über die realistische Budgetierung für die angefragte Qualität der Arbeit zu verhandeln.“ sagte der Anwalt Bob Baradaran. „R&H war mehr an der Qualität und den Mitarbeitern interessiert, als am großen Profit„, was schließlich der Untergang war.

Die Dokumentation zeigt den gebrochenen John Hughes und keine möchte ihm für diese Einstellung einen Vorwurf machen. Der gro der Wut richtet sich nicht an John Hughes oder R&H Management, die eher Freunde oder sogar „Familie“ waren.

Im Film formt sich aus der Wut eine Bewegung. Eine Bewegung, die über 500 VFX-Artists bei den Oscar-Verleihungen auf die Straße bringt. Der Fakt, dass der verantwortliche VFX-Supervisor für „Life of Pi“ bei der Oscar-Verleihung von der Bühne getrieben wurde (nach 45 Sekunden Ansprache wurde sein Micro abgeschalten) hat für die Bewegung wahrscheinlich mehr positives ausgelöst, als dass es eine unzensierte Version getan hätte. Während der Regisseur Ang Lee bei seiner Rede zum Oscar für die Beste Regie nichtmal das VFX-Team erwähnt. Das zeigt, wie die Gräben und Wahrnehmung in der Filmindustrie verläuft.

R&H wurde im Zuge der Insolvenz an Prana Studios verkauft und hat noch 700 Mitarbeiter. Leberecht, einer der Macher von „Life After Pi“ arbeitet noch bei Rhythm&Hues. Mit seiner ehemaligen Kollegin Storm gründeten Sie „Hollywood Ending“, eine Gemeinschaft, die Fälle wie R&H näher unter die Lupe nimmt.

Wir haben bei der Produktion von „Life After Pi“ erkannt, dass es eine viel größere und härtere Geschichte zu erzählen gibt. Es geht nicht nur um die Visual Effect Industrie sondern um die komplette U.S. Filmindustrie und deren Einfluss auf tausende Mitarbeiter.“ sag Christina Lee Storm.

Am Ende bleiben die mehr als 150 Filme, an denen Rhythm & Hues beteiligt war, und der Untergang von R&H ist ein Versagen des Geschäfts, und nicht das Versagen der Artists.

WAS KÖNNEN WIR TUN?

Solidarität ist schön und gut, wird aber am Ende nichts ändern. Wenn man die Qualität und den Wert der Arbeit erhalten möchte, dann müssen die Artists auch nach dem Streik nicht zu gleichen Konditionen weiter arbeiten. Ich glaube das Thema R&H wird uns noch oft beschäftigen, da das gleiche Schema auch in kleineren Projekten stattfindet, geradezu alltäglich ist. Wie oft ändern Kunden ihre Meinung? Der einzige Weg ist, nicht so weiter zu machen und auch selbstbewusst mal NEIN sagen, denn von Referenzen kann man sich eben auch nichts kaufen.