3d motiondesign aixsponza

Treffen mit Matthias Zabiegly von Aixsponza

Der Imagine-3D-Roadtrip: Unser Ziel ist es die ganze Vielfalt der 3D Branche verständlicher und zugänglicher für klassische Firmen zu machen und gemeinsam die Faszination zu teilen. Auf Augenhöhe zeigen wir, was der ‘normale’ 3D-Artist oder die kleine/mittlere Firma mit unterschiedlicher Software machen kann, und wo die alltäglichen Probleme und Workarrounds liegen. Also waren wir auf dem langen Roadtrip zum animago in Berlin.

Die Motion-Design-Schmiede Aixsponza (Video)

Nachdem ich mitten in der Münchener Innenstadt den Bulli parken konnte, treffe ich Matthias Zabiegly von Aixsponza. In einem unscheinbaren Gebäude sitzt diese extrem potente 3D-Firma. Irgendwie bezeichnend und erwähnenswert, auf dem Klo liegen die Bücher: ‚Advanced RenderMan‘, ‚Mathematik leicht gemacht‘ und ‚Die Kunst des klaren Handelns‘. Nach einer kurzen Büroführung verlegen wir das Gespräch passender Weise auf das Oktoberfest. Aber eins nach dem anderen…

Aixsponza ist eine 3D-Firma die alles mögliche in „wunderschön“ macht. 2006 wurde die Firma von 4 Freunden gegründet, die bis dahin als Freelancer gearbeitet haben. Die Geschäftsführer haben sich eine studentische Spontanität bewahrt, sind volle 3D-Artists und arbeiten selbst als Experten voll an den meisten Produktionen mit. Das merkt man natürlich in der Professionalität bei der Arbeit.

Die Kernausrichtung von Aixsponza ist eine Mischung aus anspruchsvolleren technischen Dingen kombiniert mit anspruchsvollem Design.

Das Kundenspektrum ist dabei sehr vielfältig. Da wären Fernsehwerbung, Messehintergründe oder als einer der bekanntesten Projekte visualisiert Aixsponza sehr viele Extremsport-Veranstaltungen für RedBull. Im Prinzip alles was hübsch aussieht und einen technischen Anspruch hat machen die Artists gerne.

In dem großzügigen Büro gibt es neben Besprechunges-Zimmern, einen Finishing-Raum und verschiedene Räume für die Teams aus 2D/3D-Artists, Compositern, Geschäftsführung und Freelancern.

Überall sehe ich natürlich Nerf-Guns aber auch Wacom-Boards und Matthias macht da geradezu Werbung für:

Wacom ist eigentlich nicht wegzudenken. Die Grafiktabletts haben sogar was für meine Gesundheit getan. Weil ich im Studium mit der Maus schon das Problem hatte, dass mir die Finger taub wurden. Allein von der Ergonomie ist es cooler mit dem Stift zu arbeiten, auch von Druckempfindlichkeit und so.

Wenn Praktikanten kommen sind die zwar schon mal 2 Tage etwas umgelenkt, aber dann geht das recht schnell.

Das Herz des ganzen ist ein gekühlter Raum mit massiver Hardware, Router, Arbeitsservern, FTP-Servern, Bandlaufwerken und einer eigenen Renderfarm. Letzeres ist allein aus dem Sicherheitsfaktor praktisch, da man viele Projektdateien natürlich nicht rausgeben darf. Aber auch für eigene Renderings ist es super schnell. Die Renderfarm ist sehr Arbeitsspeicher-lastig mit potenter CPU. Das GPU-Rendering wird mit Octane-Render erst nach und nach in der eigenen Pipeline ausgebaut.

Das komplette Interview könnt ihr Euch in der Playlist ansehen und ist wie immer in verschiedene Themenbereiche unterteilt

  • Büroführung und Oktoberfest mit Aixsponza
  • Matthias Zabiegly – Head of 3D bei Aixsponza
  • Freelancer oder Angestellter 3D-Artist
  • 3D-Projektablauf
  • 3D Modelle mit Photoscan aus der Praxis
  • Arbeit mit 3D Coat, zBrush, CINEMA 4D
  • Software-Pipeline bei Aixsponza
  • Was geht bei Projekten schief?
  • animago 2014

>> Hier geht es zu den Videos

Matthias Zabiegly – Head of 3D bei Aixsponza (Video)

Matthias ist als alter Trekkie über StarTrek zu 3D gekommen. Damals hat er über eine Demo-Version aus einer Computer-Zeitschrift angefangen sich dem 3D Thema zu nähern. So langsam kamen die ersten vollanimierten Filme auf und das SciFi-Thema lag nahe. So entstanden die ersten Enterprise-Versionen a la Matthias Zabiegly.

Da es einige aktive Foren gab, die ihm da viel geholfen haben wurde er schnell besser. Zumindest hat es ihn in die richtige Richtung geschoben, um ein Mediendesign-Studium anzufangen, wo man von allem so ein bissl lernt aber nichts so richtig tief im Detail. Im Anschluss ging es also noch für ein Master-Studium in 3D-Animation nach London.

Nach 2 Praktika in Hamburg und ein bissl Freelancen ist er bei Aixsponza gelandet und dann auch glücklich geblieben.

Titel sind Schall und Rauch

Der Titel „Head of 3D“ haben viele der 11 Mitarbeiter bei Aixsponza. Die Hierarchie ist recht flach und wird je nach Projekt angeordnet. Das bedeutet manchmal hat er die Führung über ein Projekt und manchmal arbeitet er für einen anderen Kollegen mit.

Freelancer oder Angestellter 3D-Artist – Die Zabiegly-Show

Es gibt bei dieser Frage kein Richtig oder Falsch. Wenn man locker drauf ist, gibt das schon viele Freiheiten, mal im Sommer runter fahren und etwas entspannen ist Freelancen schon super.

Als Angestellter hat man allerdings ein viele geregelteres Leben und ein sicheres Einkommen. Für Matthias ist die Gesamteinstellung klar. Als Angestellter hat er auch viel mehr Möglichkeiten sich selbst zu entwickeln. Wenn man länger in einer Firma ist, kann er sich immer neue Bereiche erschließen, kommt um die Welt, kann Vorträge halten und sich hoch arbeiten. Dabei steht die ganze Firma hinter ihm und das wäre als Freelancer nicht möglich.

Projektabläufe in der Realität (Video)

Wenn beispielsweise ein Maschinenbauer bisher technische Produktfilme gemacht hat, fehlt oft die Optik. Der nächste Schritt mit einem Visualisierungs-Studio wie Aixsponza ist also die optische aufzuwerten und dafür ist 3D optimal geeignet, da man extrem photorealistisch arbeiten kann. Schönes Licht, schöne Shader, ein bissl Glanz und ein Lensflare helfen da schon sehr.

Dabei ist 3D nicht so teuer, wie man vielleicht denkt. Oft kann man eine Produktion auch dem Budget anpassen. Gerade bei industriellen Visualisierungen lassen sich viele Materialien auch rationalisieren. Man muss ja nicht immer einen neuen Aluminium-Shader erfinden oder die krassesten Hollywood-Effekte einbauen. Oft kann man Metalle, Plastik, Holze wieder verwenden.

Bei Modellen ist es relativ flexibel. Oft kann man sich gute Modelle aus dem Internet kaufen. Bei Materialien/Shadern macht es mehr Sinn, diese selbst zu entwerfen, weil man dan wirklich weiß was darin ist. Als Shading-Artist hat man relativ schnell ein Gefühl für die Werte.

  • Zum Projektablauf wird als erstes so eine Art Drehbuch/Storyboard entwickelt.
  • Wenn klar ist, was gemacht werden soll, werden 2 Teile geliefert.
    • ein hübsches Standbild mit Farbkorrektur und Photoshop
    • ein animatic, was ein grobes Rendering der Animation ist. Das sieht nicht besonders schön aus, zeigt aber wie die Schnitte und Abläufe sind.
  • Das ganze braucht etwas Vorstellungskraft, spart aber sehr viel Zeit.
  • Anschließen wird der Film korrekt gerendert

Was geht bei Projekten schief?

Wichtig ist für alle Kunden zu begreifen, dass 3D mehr ist als nur ein paar Köpfe drücken. 3D ist halt eher eine zeitaufwändige Sache, wo man nicht so schnell eine Animation mal ändern kann. Bevor man panisch noch Änderungen macht, ist es oft besser Ruhe zu bewahren. Man kann ab einer bestimmten Projektstufe nicht zusätzliche Leute einstellen, um etwas zu beschleunigen. Oft passiert es, dass eine Deadline gehalten werden muss. Wenn das Rendering aber 2-3 Tage dauert kann man oft nicht auf den letzten Drücker noch was ändern.

Anwendungsbeispiel Ikea

Im Nebensatz haben wir über Ikea gesprochen. Das ist eigentlich ein sehr gutes Beispiel für die Möglichkeiten von 3D.

Ikea stellt wohl gerade um, und erstellt die Bilder für den Katalog überwiegend in 3D. Das ist ne super Sache, weil wenn man ein so umfangreiches Sortiment hat, mit 10-20.000 Produkten, ist es natürlich super aufwändig wenn man das fotografieren muss. Das würde bedeuten, dass alle Produkte in ein Studio gefahren werden müssen, Fotografiert und nachbearbeitet werden müssen. Allein für die verschiedenen Muster wäre das sehr aufwändig. Im 3D spart man damit nicht nur die Logistik, sondern kann die angelegten Materialshader auch sehr einfach anwenden. Dabei hat man immer die Kontrolle über das Licht, die Position und das Gesamtsetup.

Daher macht es total Sinn, dass Industriekunden immer mehr auf 3D setzen. Im Idealfall sind dabei schon CAD-Daten vorhanden, auf denen man aufbauen kann.

3D Modelle mit Agisoft PhotoScan (Video)

Aixsponza setzt immer mehr auf Photogrammetrie-Scan mit PhotoScan, weil es einfach eine sehr bequeme Art ist, Objekte zu bauen. Das Prinzip bei der Photogrammetrie ist es, ein Objekt aus mehreren Seiten zu fotografieren und die Software berechnet daraus dann eine Punktwolke, die voll texturiert zum Objekt umgewandelt werden kann.

Das funktioniert je nach Oberfläche mal besser oder mal schlechter. Glänzende Oberflächen sind nicht so gut wie matte Oberflächen mit Körnung. Am Ende der Berechnung von Agisoft PhotoScan hat man aber ein Modell mit extrem vielen (Millionen) Polygonen. Das kann man in einer Produktion nie wirklich nutzen. Dann muss man als Zwischenschritt eine Retopologie machen, wo man ein HighRes-Mesh nimmt und darauf ein LowRes-Mesh aufbaut. Das geht am Besten mit zBrush (Retopologie mit zRemesher) oder 3D-Coat. Wenn man die volle Kontrolle braucht, kann man dann noch selbst modellieren. Auf jeden Fall entsteht so sehr schnell ein Modell das man für jede Produktion gut einsetzen kann.

CINEMA 4D, 3D Coat und zBrush

Aixpsonza setzt im Kern auf CINEMA 4D. Bei sculpten unterscheidet Matthias unterm Strich in folgende Software:

  • zBrush viel besser geeignet, um feine Linien und Strukturen im Finalisierungsprozess zu erstellen.
  • Während 3D-Coat super geeignet ist für den Kreativprozess, um schnell mal was in 3D zu skizzieren.
  • Seit CINEMA 4D R14 gibt es Sculpting-tools in der Software. Das funktioniert auch sehr gut, aber im Vergleich zu zBrush sind da noch viele Entwicklungsschritte dazwischen. Wenn man mal kleine Dinge modellieren möchte, kleine Falten in Kissen oder eine zerbeulte Ecke kann man schnell und einfach im CINEMA 4D sculpten, da man dann import-export spart und es dafür in dem eigenen Workflow gut integriert.

Rendering mit V-Ray, Octane, Arnold und CINEMA 4D

Hauptsächlich setzt Aixsponza auf V-Ray für CINEMA 4D, wobei auch Octane immer mehr kommt. Der eingebaute CINEMA 4D-Renderer wird für geeignete Jobs auch verwendet. Der ist nicht so super photorealistisch, aber sehr schnell und oft reicht das auch.

Die Entscheidung für den Renderer liegt dabei, dass photorealistische, schwierige GI-Szenarien, komplexe Materialien mit V-Ray für CINEMA 4D gerendert werden und V-Ray eher der Standard-Renderer ist und man eher schaut ob es evtl. auch direkt in CINEMA 4D möglich ist.

Software-Pipeline bei Aixsponza

Ach…, schaut doch selbst die Zabiegly-Show über Software und coole PlugIns bei CINEMA 4D.