Das neue Lizenzmodell ‚Creative Cloud‘ von Adobe hat für einige Aufregung gesorgt, gerade weil es wie ein alternativloses Aufzwingen wirkt. Nachdem nun einige Monate vergangen sind, schauen wir uns das doch mal genauer an. Die Grundidee der Cloud-Lösung ist eigentlich sehr gut. Ein kreativer Anwender bekommt für eine planbare, geringe Summe die komplette Palette an Grafiklösungen von Adobe. Die Produkte bleiben immer Up-to-Date als Download verfügbar. Somit ist der Anwender immer auf dem neuesten Stand, braucht keine CDs / Dongles oder sonstige Datenträger und auch teure Updates werden überflüssig. Gleichzeitig bietet Adobe einen allumfassenden Workflow an und versucht die komplette Linie bis zum Endkunden zusammen zu führen. Das ganze verpackt Adobe noch in einem attraktiven Preismodell und fertig ist die Creative Cloud.

ABER: Wenn sie die Cloud kündigen, dann haben Sie keinerlei Funktion mehr, sie können nicht mehr mit einer ‚alten‘ Version weiter arbeiten!

Es gibt aber in der Cloud nur noch den kompletten Bauchladen von Adobe mit aktuell 18 Produkten (die werden jetzt APP genannt) oder im Vergleich relativ teuer ausgewählte Einzelprodukte. Sie bekommen als Cloud-Kunde also Zugang zum beliebten Photoshop bis zum Entwicklertool Adobe AIR. Abstufungen wie in kleinen Suiten mit Photoshop, Illustrator, InDesign und Bridge werden nicht mehr erfasst (Beispielsweise wären diese Programme im Adobe Design Standard CS6)

Die Katz im Sack kaufen

Adobe Creative Cloud – Die Katz im Sack kaufen

 

Hier ein Überblick über die Produkte, die es nun alle in einer Cloud gibt.

InDesign (Layout und Satz)
Photoshop (RAW-Konvertierung und Bildbearbeitung)
Illustrator (Zeichnung und Illustration)
Acrobat X (PDF-Erstellung; -Editierung)
Diverse Flash-Werkzeuge
Dreamweaver (HTML-Editor)
Fireworks (Grafikprogramm)
Premiere (Videoschnitt und -bearbeitung)
Encore (Film-Postproduktion)
Audition (Audiobearbeitung)

Was bringen mir aber Tools, die ich bisher nicht brauchte und auch in Zukunft für mich keine Rolle spielen werden? Wie soll ich denn mit meinem KnowHow überhaupt hinterher kommen, wenn ich das alles nutzen wöllte?

Was kostet Adobe CC?

Die Creative Cloud kostet (Stand 21.10.2013 von Adobe)

  • bei Abschluss eines Jahresabonnements knapp 61,49 € / Monat
  • wenn man frei sein will auch monatlich zu kündigen, dann sind das 92,24 € / Monat
  • für bestehende Kunden ab CS3 gibt es für 12 Monate eine Ersparnis von fast 40% (36,89 € / Monat) und dann den vollen Preis
  • Einzelprodukte schlagen mit 24,59 € / Monat zu buche
Kosten pro Monat 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. Jahr
Einzelprodukt 24,59 € 295,08 € 590,16 € 885,24 € 1.180,32 € 1.475,40 €
komplett mit Jahresvertrag 61,49 € 737,88 € 1.475,76 € 2.213,64 € 2.951,52 € 3.689,40 €
komplett ohne Jahresvertrag 92,24 € 1.106,88 € 2.213,76 € 3.320,64 € 4.427,52 € 5.534,40 €
für bestehende Kunden 36,89 € 442,68 € 1.180,56 € 1.918,44 € 2.656,32 € 3.394,20 €

Wenn ich Nutzer der Master-Collection (aktuell etwa 3.500 €) bin, dann ist die Cloud sicher preislich gesehen ein großer Vorteil. Aber wenn wir mal mit einer normalen Suite wie der Adobe Design Standard CS6 (mit Photoshop, InDesign, Illustrator, Acrobat Pro, Bridge, Media Encoder) vergleichen mit Kosten von einmalig etwa 1.700 € dann sind wir schon nach 2 Jahren nicht mehr billiger. Natürlich haben wir dann auch nicht mehr die aktuellste Version, aber sind die aktuellen Entwicklungen wirklich so bahnbrechend gewesen, dass nicht sogar heute noch ein Photoshop CS5 ganz gut ist?

Denn der große Unterschied, der schwer in Zahlen zu pressen ist, ist die Abhängigkeit oder Unabhängigkeit. Sollten sie nach 2 Jahren kündigen, dann haben Sie nichts mehr. Sie können sich nicht mehr auf eine ältere Version berufen, die vielleicht weniger Funktionen hat, aber ihnen völlig ausreicht.

Vorteil für Adobe oder andere Hersteller mit einem reinen Leasing-Modell

Der Vorteil für Adobe dürfte aber an ganz anderer Stelle zu finden sein, denn eigentlich geht es kaum noch um die Bedürfnisse des einzelnen Kunden oder Anwenders. Viele Hersteller sind von Umsatzzahlen getrieben und haben sich in den letzten Jahre oft vom Idealisten zum Schlechteren entwickelt. Wir spüren die Stimmung im Markt auch sehr deutlich. Die Idee hinter der Cloud sind natürlich auch Gewinnprognosen, denn bei einer Aktiengesellschaft, die jedes Jahr Rekordzahlen bringen ‚muss‘ ist irgendwann die Luft auch mal sehr dünn. Die Kostentreiber werden vermutlich in der Entwicklung, Marketing und Distribution liegen. Wenn man also mehr Gewinn bei gleichem Umsatz will, dann muss man dem Endkunden die Entscheidung abnehmen, sich selbst aus der Konkurrenzsituation herausnehmen und die Kunden alternativlos binden.

Ein Ring, Sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Blog-adobe-cloudDer Zwischenweg zur Creative Cloud und Totalen Bindung!

Der Zwischenweg zu dieser Kundenbindung ist erst einmal neben guten Produkten der Übergang in automatisierte Wartungsverträge/Serviceverträge/Maintenance-Verträge/Subscriptions etc. Auch viele 3D Hersteller bieten das an und oft macht das auch Sinn. Dennoch hat der Kunde hier noch die Entscheidung zu kündigen und am Ende das aktuelle Produkt eben in einer ‚alten‘ Version weiter zu nutzen. Damit das zukünftig auch nicht mehr geht, darf es (aus Herstellersicht) kein greifbares ‚altes‘ Produkt mehr geben, mit dem man weiter arbeiten kann… Willkommen in der Cloud!

Die Creative Cloud bedeutet allerdings NOCH nicht das Aus für die Box-Versionen der Creative Suite – die Programme gibt es noch begrenzt bei uns einzeln, als „Creative Suite 6 Design Standard“ sowie als „Creative Suite 6 Design & Web Premium“ (die eher redundanten Design- und Web-Editionen wurden zusammengelegt) und „Production Premium“ und last, but not least als Master Collection.

Folgen aus der Reduzierung der Kostenfaktoren

Ein großer Kostenfaktor ist das Marketing. Jedes Jahr müssen Lizenzen verkauft werden und neue Kunden überzeugt werden. Dabei kommt man schnell an eine Grenze wo tolle Features zurück gehalten werden, damit die nächste Version noch besser wird. Es ist wenig planbar ob ein Kunde wirklich die eigene Lösung kauft. Um planbare Einnahmen zu ermöglichen hilft die Bindung der Kunden in der Cloud. Die Hürde auszusteigen (und nichts mehr zu haben) wird nach 2 Jahren für die Kunden sehr groß sein.

Ein Vorteil der extremen Kundenbindung (Knebelung) könnte man natürlich sagen, dass die wachsenden Gewinne und Bündelung der Ressourcen für mehr Innovationskraft sorgen würden. Die Frage dabei ist aber, ob die Welt wirklich so funktioniert und ob Adobe mit all den Produkten überhaupt noch weiß was der einzelne Bedarf eines Kreativen in einer einzelnen Lösung ist.

Das bringt uns zum nächsten Kostenfaktor des Herstellers, die Entwicklung. Wenn stabile Einnahmen und große Ausstiegshürden da sind, warum sollte dann also jährlich tolle Features kommen. Heutzutage werden Tools jährlich entwickelt, um sich gegenüber anderen Produkten durchzusetzen und Argumente zu liefern. Bei gebundenen Kunden besteht diese Motivation nur noch bedingt.

Ein Kostenfaktor für einen Hersteller ist immer der Handel und die Distribution. Diesen zu minimieren geht über die digitale Verbreitung, die Reduzierung von Support und Fachhändlern. Gerade bei Software-Produkten ist es eigentlich sehr einfach und billig das Produkt ja auch direkt über das Internet zu verteilen. Das spart Kosten für DVD-Produktion und Versand und schützt durch Aktivierungs-Prozesse auch etwas vor der Software-Piraterie. Dies ist für alle ein wirklich guter Vorteil!

Gleichzeitig erfüllt der Handel aber auch eine andere Funktion, die für den Kunden zum Vorteil für den Hersteller unangenehm ist. Auch wir von software3D.de leben davon, dass wir Softwarelösungen mit kleinen Margen verkaufen. Dabei sehen wir aber unseren Mehrwert in der Vielfalt, statt in einem Monopol. Sprich, wenn Sie ein Problem oder Anforderung haben, können wir unabhängig für Sie die Beste Lösung finden. Wenn Sie beim Hersteller nach einer Lösung suchen, kann dieser IMMER nur die eigenen Produkte anbieten und wird teilweise auch wohlwissend nicht die Beste individuelle Lösung anbieten.

Der Ausblick ist also etwas düster. Wenn wir die Geschichte mal weiter spinnen, wenn die Kostenfaktoren auf ein Minimum reduziert werden und trotzdem jedes Jahr neue Gewinne entstehen müssen (Ziel der Aktiengesellschaft ist bedingungsloses Wachstum und Macht) dann ist am Ende die Erhöhung der Preise nicht ausgeschlossen. Das wäre dann relativ einfach, da man ja schon heute nur mit günstigen Monatspreisen rechnet.

Probleme

Schon jetzt ergeben sich zahlreiche Probleme mit der Umsetzung. Leider ist die Cloud so ‚kurzfristig‘ umgesetzt wurden, dass es wirkt als wäre es übers Knie gebrochen worden und dem Ruf des Geldes gefolgt. Die Programmierung ist zum Teil fragwürdig, es wurden tatsächlich Features entfernt, die es in alten Versionen gab und die ständige Verbindung zum Internet hat auch so ihre Tücken.

Cloud = Online?

Trotz des Namens „Creative Cloud“ ist es nicht so, dass die Programme oder deren Daten in der Wolke liegen und nur dort zu erreichen sind. Nach wie vor werden die Programme und Dateien auf der eigenen Festplatte gespeichert und können von dort, auch offline, ausgeführt werden. Einmal im Monat wird die Lizenz abgefragt; 180 Tage nach erfolgloser Abfrage wird das Programm deaktiviert, was u. a. nach der Miet-Kündigung Zeit genug geben sollte, die Daten passend zu konvertieren und zu sichern.

Probleme mit der Verbindung

Und hier beginnt dann die Praxis. Zuerst einmal brauchen Sie Internet an ihrem Rechner und das Handling von etwa 2GB sollte auch kein Problem sein. (regelmäßig kommen ja auch Updates der Apps).

Ein kleines Programm prüft ständig, ob sie mit dem Internet verbunden sind. Sollte die Verbindung mal abreißen werden sie NICHT informiert. Dann springt die Cloud in einen Offline-Modus. Wenn man hier nicht aufpasst, dann aktiviert man dabei schnell mal die Testversion des Adobe-Produkts. Der Support von Adobe rät in diesem Fall erst einmal alles zu deinstallieren und neu zu machen. Dieses Spiel kann einem dann schon mal den Tag verderben, wo man doch so viel arbeiten wollte. Also IMMER Aufpassen, was man klickt.

Bitte Deinstallieren Sie alte Versionen

Wenn Sie bereits mit einer alten Version (z.B. CS6) arbeiten, dann werden sie bei der Installation der Cloud gebeten diese zu löschen. Sie brauchen ja ihre erworbene Lizenz zukünftig nicht mehr. Nur über einen Walkarround haben wir es geschafft, dass die CS6 und deren Features auf unserem Rechner bleiben konnte.

Webschriften

Webschriften werden bei Webseiten eingesetzt, um besondere Schriftarten darzustellen. Wenn sie also für Ihre Kunden eine Webseite mit Webschriften von Adobe erstellen, dann sind diese nur solange gültig, wie sie einen aktiven Cloud-Account haben. Wenn sie also kündigen, dann verändern Sie auch alle Webseiten ihrer alten Kunden.

Datenschutz

Naja, wenn alle Daten im Netz sind, wer garantiert die Sicherheit. Erst vor einigen Wochen wurden die Benutzerkonten von Cloud-Benutzern gestohlen. Die eMail vom Support (in English!!!) warnte dass man „GLAUBT“ dass die Kreditkartendaten nicht betroffen seien.

Fazit

Der große Gewinner ist mittelfristig in keinem Fall der Kunde. Die Entwicklung der Features ist fraglich, der Support schon jetzt mangelhaft, man verliert die Unabhängigkeit und es wird einem am Ende ein neuer Workflow aufgezwungen, den man eventuell nicht möchte. Warum soll ich außerdem für 30-60 % ungenutzte Software mitbezahlen?

Solange man konstant mit den Adobe Produkten arbeitet macht die Creative Cloud durchaus Sinn, spart Geld, Zeit und man kann immer mit den neusten Werkzeugen arbeiten. Schwierig gestaltet sich dann nur der Schritt des Ausstiegs, denn kündigt man sein Abo bleibt einem nichts. Keine alte Version mit der man noch hin und wieder etwas machen kann oder die einem für das eine oder andere Projekt noch zur Verfügung steht.

Für alle anderen Nutzer der ehemals kleinen Suiten ist es defintiv kein Geschenk und wir schauen uns durchaus mal genauer an, welche Möglichkeiten es doch noch auf dem Markt gibt. Nach aussagen von Corel scheint die Nachfrage extrem gestiegen zu sein.

Wer sich also erst einmal absichern will, der kann sich jetzt bei uns noch RESTPOSTEN sichern. Einige der CS6 Einzelversionen und Suiten sind noch verfügbar und können noch bestellt werden. Sie können entweder direkt im Onlineshop bestellen oder besser: Sie rufen uns an und wir prüfen für Sie welche CS6 Version noch erhältlich ist.