Nach längerer Entwicklungszeit ist 3DF Zephyr 9.0 verfügbar. Das größte Novum: Die Photogrammetrie-Software erzeugt jetzt Gaussian Splats direkt in der Anwendung, ohne Umweg über externe Tools und ausdrücklich auch in der günstigen Edition Zephyr Lite. Dazu kommen eine spürbar schnellere Photoconsistency-Berechnung bei großen Punktwolken, Satelliten- und Hybridkarten direkt im Viewport sowie überarbeitete Auswahl-Werkzeuge. Im Folgenden steht, was die neuen Funktionen in der Praxis bringen und für wen sich das Update lohnt.
Gaussian Splatting jetzt direkt in Zephyr
Gaussian Splatting ist eine Alternative zur klassischen Mesh-Darstellung. Statt einer Oberfläche aus Dreiecken speichert das Verfahren die Szene als Millionen kleiner, orientierter Farbkleckse (Splats). Das Ergebnis wirkt bei spiegelnden, transparenten oder feinteiligen Motiven wie Glas, Metall oder Vegetation oft realistischer als ein Mesh, das solche Strukturen nur schwer abbildet. Bisher war dafür eine separate Software nötig. In Zephyr 9.0 läuft die Erzeugung direkt im Programm und basiert auf der eigenen Technologie von 3Dflow.
Wichtig für Einsteiger: Die Funktion steht nicht nur in den großen Editionen, sondern auch in 3DF Zephyr Lite bereit. Erzeugte Splat-Objekte lassen sich exportieren, und beim Zusammenführen mehrerer Projekte (Merge Workspace) werden sie jetzt korrekt übernommen. In der Praxis eignet sich Gaussian Splatting vor allem für schnelle, fotorealistische Visualisierungen und virtuelle Rundgänge. Wo es dagegen auf maßhaltige, vermessungstaugliche Geometrie ankommt, bleibt das klassische Mesh aus der dichten Punktwolke die erste Wahl. Beide Wege stehen im selben Projekt nebeneinander zur Verfügung.
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Schnellere Photoconsistency bei großen Datensätzen
Die Photoconsistency-Prüfung ist ein Qualitätsschritt in der dichten Rekonstruktion: Sie gleicht Punkte über mehrere Bilder ab und prüft, ob sie konsistent zueinander liegen. Bei sehr großen Punktzahlen war dieser Schritt bisher rechenintensiv und damit ein häufiger Zeitfresser. Version 9.0 beschleunigt ihn deutlich, gerade dann, wenn viele Punkte im Spiel sind. Für umfangreiche Drohnenbefliegungen oder große Scan-Projekte bedeutet das kürzere Rechenzeiten, ohne dass die Genauigkeit darunter leidet.
Satellitenkarten im Viewport und bessere Georeferenzierung
Georeferenzierte Projekte bekommen mit 9.0 direkten räumlichen Kontext: Satelliten- und Hybridkarten lassen sich jetzt direkt im Render von Zephyr einblenden. Wer Drohnenbefliegungen auswertet oder vermisst, sieht seine Rekonstruktion sofort in der realen Lage, ohne zwischen Programmen zu wechseln. Neu hinzugekommen sind außerdem die Unterstützung für Pseudo-Mercator-Referenzsysteme und ein Online-Getter, der projizierte Referenzsysteme automatisch sucht und lädt. Das erspart die manuelle Suche nach dem passenden EPSG-Code. Beim Export lässt sich zudem jedes Objekt einzeln in ein frei wählbares Referenzsystem umrechnen, von Kameras und Punktwolken über Meshes bis zu Orthofotos.
Überarbeitete Auswahl-Werkzeuge und neuer Kamera-Controller
Die Auswahl-Werkzeuge wurden vereinheitlicht. Jedes Subtool, ob Freihand, Ebene, Farbe, Punkte oder Dreiecke, besitzt nun denselben Ziel-Selektor: Man legt konsistent fest, ob die Auswahl auf alle sichtbaren Objekte oder gezielt auf einzelne wirkt. Die Volume-of-Interest-Auswahl steht dabei über alle Subtools hinweg zur Verfügung, und das Punktfilter-Werkzeug akzeptiert jetzt auch Meshes als Eingabe. Das Freistellen und Beschneiden großer Szenen wird dadurch berechenbarer und schneller.
Dazu kommt ein neuer, stativartiger Kamera-Controller, wie man ihn aus 3DF Scarlet kennt. Er erleichtert das Setzen von Kontrollpunkten und das Zeichnen von Elementen auf Bubble-View-Bildern, weil sich die Ansicht kontrollierter drehen lässt. Wer viel mit Ground Control Points arbeitet, spart hier merklich Zeit und setzt Punkte präziser.
Export, Reporting und neue Formate
Auf der Ausgabeseite hat 9.0 spürbar zugelegt. Neu ist ein Export in das ESRI-i3s-Format für gekachelte Meshes, was die Anbindung an GIS-Pipelines vereinfacht. Die Kamera-Statistiken lassen sich jetzt als CSV exportieren, ebenso der Abschnitt „Camera Visible Points and Mean Reprojection Error“ aus dem PDF-Report, was besonders für Forensik- und Dokumentations-Workflows nützlich ist. Beim Reporting wurde außerdem die Terminologie für Ground Control Points und Check Points überarbeitet: Der Bericht trennt Genauigkeits- und Gewichtungsangaben jetzt klar nach GCP und ChP.
Unter der Haube wurden die ffmpeg-Bibliotheken aktualisiert, wodurch mehr Videoformate unterstützt werden, inklusive HEIF. Ein neues Preset für sequenzielle Rundgänge und Videostreams, ein antialiastes Gitterobjekt im Viewport sowie zahlreiche High-DPI- und Layout-Korrekturen runden die Version ab. Insgesamt sammelt 9.0 neben den großen Neuerungen viele Detailverbesserungen, die den Arbeitsalltag flüssiger machen.
Welche Edition passt, und was gilt beim Update
3DF Zephyr gibt es in mehreren Editionen. Zephyr Free ist kostenlos, aber in der Bildzahl begrenzt. Zephyr Lite ist der günstige Einstieg und beherrscht ab 9.0 ebenfalls Gaussian Splatting. Die Standard-Edition deckt den vollen Funktionsumfang mit Laserscan-Integration und Georeferenzierung ab, und die Education-Edition richtet sich an Lehrkräfte und Studierende zu vergünstigten Konditionen. Bei den Lizenzen hat man die Wahl zwischen einer permanenten, unbefristet nutzbaren Lizenz und einer Mietlizenz. Der Vorteil der permanenten Lizenz: einmal kaufen und dauerhaft nutzen, wobei Updates in der Regel im ersten Jahr enthalten sind und sich danach über eine optionale Verlängerung meist günstiger halten lassen als über eine laufende Miete.
Für bestehende Kunden gilt: Wer eine aktive Update-Periode hat, kann auf 9.0 wechseln, ohne erneut zu zahlen. Ist die Update-Zeit abgelaufen, lässt sie sich über eine Verlängerung wieder aktivieren, um die neue Version und künftige Updates zu erhalten. Welche Edition und welches Lizenzmodell im Einzelfall am besten passen, hängt vom Einsatzzweck ab, von der reinen Visualisierung bis zur vermessungsreifen Auswertung.
3DF Zephyr 9.0 zeigt, wohin sich Photogrammetrie bewegt: Gaussian Splatting und klassische Rekonstruktion unter einem Dach, dazu schnellere Berechnung und mehr Kontext direkt im Viewport. Wer neu einsteigt oder über ein Upgrade nachdenkt, findet die passende Edition und Lizenzform bei uns im Sortiment. Bei der Auswahl der richtigen Variante und beim Umstieg auf die neue Version beraten wir gern.



