Die Frage kommt in jedem Team irgendwann auf: Darf Metashape auf dem Bürorechner, dem Notebook für die Baustelle und der Renderstation im Keller installiert sein? Die Antwort lautet ja, mit einer wichtigen Einschränkung. Installieren darf man beliebig oft, gleichzeitig nutzen hängt vom Lizenztyp ab. Wer den Unterschied kennt, spart sich Sperrmeldungen mitten im Projekt und kauft die richtige Anzahl Plätze.
Node-Locked: eine Aktivierung, beliebig oft umziehen
Die Standardlizenz ist an einen Rechner gebunden und dort aktiv, bis sie freigegeben wird. Sie ist rehostable, lässt sich also verschieben. Der Ablauf besteht aus drei Schritten: Auf dem alten Rechner über Help > Activate Product deaktivieren, auf dem neuen Rechner installieren, dort mit demselben Schlüssel aktivieren. Betriebssysteme lassen sich dabei mischen, dieselbe Lizenz läuft unter Windows, macOS und Linux.
Für den normalen Wechsel zwischen eigenen Geräten ist die Zahl dieser Vorgänge praktisch nicht limitiert. Wer morgens im Büro rechnet und nachmittags auf dem Notebook weiterarbeitet, kann die Lizenz hin- und herschieben. Bequem ist das nicht, weil jeder Wechsel eine Internetverbindung und zwei Handgriffe braucht.
Zwei Situationen sind unangenehm. Erstens: Wer vor einem Hardwaretausch, einer Neuinstallation oder einem größeren Systemupdate vergisst zu deaktivieren, hängt die Lizenz an einer Maschine fest, die es nicht mehr gibt. Das lässt sich über den Agisoft-Support lösen, kostet aber Zeit, die im Projekt gerade fehlt. Die Deaktivierung gehört deshalb auf jede Checkliste für Rechnerwechsel. Zweitens: Zwei Personen können mit einer Node-Locked-Lizenz nicht parallel arbeiten, auch nicht kurz.
Floating: gleichzeitige Nutzer statt Rechner
Bei der Floating-Lizenz zählt nicht, wo installiert ist, sondern wie viele Personen zur selben Zeit arbeiten. Die Lizenz liegt auf einem Server im Netz, Clients holen sich beim Start einen Platz und geben ihn beim Beenden zurück. Metashape darf auf allen Arbeitsplätzen installiert sein, gleichzeitig laufen so viele Instanzen, wie Plätze gekauft wurden.
Das rechnet sich in Konstellationen, in denen mehr Leute gelegentlich als dauerhaft mit Photogrammetrie arbeiten: ein Vermessungsbüro, in dem drei von acht Personen abwechselnd auswerten, ein Hochschullabor mit wechselnden Studierenden, ein Ingenieurbüro mit Projektspitzen. Statt fünf Einzellizenzen reichen dann oft zwei Plätze.
Ein Nebeneffekt fällt im Alltag angenehm auf: Das ständige Aktivieren und Deaktivieren entfällt. Wer sein Notebook mitnimmt, braucht allerdings eine Verbindung zum Lizenzserver, in der Regel über VPN. Für echte Feldarbeit ohne Netz ist eine Node-Locked-Lizenz die verlässlichere Wahl.
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Den Lizenzserver einrichten
Ab Metashape Professional 2.0 kommt der Agisoft License Server zum Einsatz. Ältere Anleitungen, die von einem RLM-basierten Server sprechen, betreffen den früheren Stand und führen in die Irre.
Der Server braucht keine leistungsstarke Maschine. Ein kleiner, dauerhaft laufender Rechner oder eine virtuelle Maschine genügt, entscheidend ist die Erreichbarkeit. Wichtig ist die Reihenfolge: Zuerst den Dienst so einrichten, dass er beim Systemstart automatisch startet, danach die Lizenz aktivieren. Wer umgekehrt vorgeht, steht nach dem ersten Neustart ohne Lizenzen da.
Zwei Ports sind relevant. Auf Port 5842 läuft die Kommunikation mit den Clients und zugleich die Weboberfläche zur Verwaltung, erreichbar unter http://SERVER-IP:5842. Über UDP 5353 läuft die automatische Erkennung im lokalen Netz. Beide gehören in der Firewall freigegeben. Segmentierte Netze, in denen Arbeitsplätze und Server in getrennten VLANs liegen, blockieren die automatische Erkennung häufig, während die eigentliche Verbindung problemlos funktioniert.
Clients auf den Server zeigen lassen
Findet ein Client den Server nicht automatisch, gibt es zwei saubere Wege.
Über eine Umgebungsvariable: AGISOFT_FLS auf SERVER-IP:PORT setzen, also etwa 192.168.10.200:5842. Das lässt sich per Gruppenrichtlinie oder über das Verteilungswerkzeug ausrollen und ist bei vielen Arbeitsplätzen der schnellste Weg.
Über eine Konfigurationsdatei: Eine Textdatei mit der Endung .lic anlegen und in das Lizenzverzeichnis legen:
[license_server]
host = 192.168.10.200
port = 5842
Die Ablageorte unterscheiden sich je nach System:
- Windows:
C:/ProgramData/Agisoft/Licensing/licenses/ - Linux:
/var/tmp/agisoft/licensing/licenses/ - macOS:
/Library/Application Support/Agisoft/Licensing/licenses/
Beide Wege funktionieren gleich gut. Die Umgebungsvariable ist einfacher zu verteilen, die Datei bleibt bei Profilwechseln stabil und ist im Fehlerfall leichter zu prüfen, weil man sie sehen kann.
Ohne Internetverbindung aktivieren
In Netzen ohne Internetzugang läuft die Aktivierung über einen Dateiaustausch. Der Server erzeugt aus den Aktivierungsparametern eine Anfragedatei, diese wird über einen Rechner mit Internetzugang beim Aktivierungsdienst von Agisoft eingereicht, und die zurückgegebene Antwortdatei wird auf dem Server eingespielt. Derselbe Mechanismus existiert für Einzelplatzlizenzen. Wie das im Detail abläuft, ist im Beitrag zur Offline-Aktivierung von Agisoft Metashape beschrieben.
Wenn es klemmt
Die häufigsten Probleme haben banale Ursachen. Client findet den Server nicht: automatische Erkennung durch Netztrennung blockiert, Lösung ist die manuelle Zuweisung über Variable oder Datei. Alle Plätze belegt, obwohl niemand arbeitet: Metashape läuft irgendwo noch im Hintergrund oder eine Sitzung wurde hart beendet, die Belegung ist in der Weboberfläche sichtbar und lässt sich dort einordnen. Nach einem Serverneustart sind keine Lizenzen da: Der Dienst war nicht als Autostart eingerichtet.
Für die Fehlersuche ist die Weboberfläche der erste Anlaufpunkt. Sie zeigt, welche Lizenzen vorhanden sind, wie viele Plätze belegt sind und von wem. Damit lässt sich in einer Minute unterscheiden, ob ein Netzproblem oder eine schlicht ausgeschöpfte Platzzahl vorliegt.
Vor der Entscheidung lohnt eine einfache Beobachtung über zwei bis drei Wochen: Wie viele Personen arbeiten tatsächlich gleichzeitig in Metashape, und nicht wie viele haben es installiert. Diese Zahl ist fast immer kleiner als erwartet und bestimmt, wie viele Plätze nötig sind. Bei der Auswahl zwischen Einzelplatz- und Floating-Lizenzen und beim Aufsetzen des Lizenzservers helfen wir gerne weiter.


