Agisoft hat Metashape 2.3.2 am 25. August 2026 als Build 22956 freigegeben. Wer eine 2.x-Lizenz besitzt, kann kostenfrei aktualisieren. Das Update ist kein großer Funktionssprung, sondern eine Sammlung gezielter Verbesserungen an Stellen, die im Produktivbetrieb Zeit kosten: Texturierung großer Modelle, Handhabung von Blockmodellen und der Datenaustausch mit vorhandenen Photogrammetrie-Systemen. Für Büros, die noch auf 2.2 oder älter sitzen, lohnt der Blick auf die Gesamtsumme der 2.3er-Reihe.
Natural-Texturierung läuft schneller
Der Blending-Modus Natural kam mit 2.3.0 dazu und arbeitet anders als das klassische Mosaic-Verfahren. Statt Bildbereiche zu verschmelzen, wählt Metashape für jedes Dreieck des Modells ein einzelnes Quellbild aus und bewertet dafür Auflösung, Aufnahmeentfernung, Blickwinkel und Schärfe. Das Ergebnis wirkt weniger geglättet und behält Kanten und Materialübergänge, die Mosaic gern weichzeichnet.
Der Preis dafür war bisher Rechenzeit. 2.3.1 hatte die Hardwarekompatibilität nachgebessert, damit Apple Silicon und reine CPU-Systeme den Modus überhaupt sinnvoll nutzen können. 2.3.2 setzt an der Laufzeit an: dieselbe Szene wird mit unveränderten Parametern schneller texturiert.
Für die Praxis heißt das nicht, dass Natural jetzt der Standard sein sollte. Bei homogen beleuchteten Drohnenbefliegungen mit hoher Überlappung liefert Mosaic weiterhin ruhigere Orthotexturen. Natural spielt seine Stärke dort aus, wo die Aufnahmesituation ungleichmäßig ist: Fassaden mit wechselndem Streiflicht, Innenräume mit Blitz, terrestrische Aufnahmen mit stark unterschiedlichen Abständen zum Objekt. Wer bisher wegen der Laufzeit darauf verzichtet hat, sollte den Modus an einem repräsentativen Ausschnitt erneut testen, bevor er ihn für das gesamte Projekt verwirft.
Colorize Vertices jetzt auch für Blockmodelle
Blockmodelle entstehen, wenn Metashape sehr große Gebiete in Kacheln zerlegt und blockweise rekonstruiert. Typisch sind Stadtmodelle, Korridorbefliegungen und großflächige Vermessungsprojekte, bei denen ein einzelnes Mesh die verfügbare Hardware sprengen würde.
Bisher stand für diese Modelle nur der Weg über eine vollständige Texturierung offen. 2.3.2 erweitert den Befehl Colorize Vertices auf Blockmodelle. Statt Texturatlanten zu berechnen, bekommt jeder Netzknoten direkt eine Farbe aus den Quellbildern zugewiesen. Das dauert einen Bruchteil der Zeit und erzeugt deutlich kleinere Dateien.
Als Endergebnis für eine Präsentation reicht das selten, weil die Farbauflösung an die Netzdichte gekoppelt ist. Als Zwischenschritt ist es wertvoll: Man erkennt Fehlstellen, Löcher, falsch rekonstruierte Wasserflächen und Ausreißer, bevor man Stunden in die Texturierung steckt. Für die Weitergabe an Kollegen zur Freigabe eines Rekonstruktionsstands ist es ebenfalls das schnellere Format.
Inpho-Projekte ab Version 9 importieren
Der Kameraimport akzeptiert nun Inpho-Projektdateien ab Version 9. Das betrifft Vermessungsbüros, die ihre Aerotriangulation in Trimble Inpho rechnen und die Ergebnisse anschließend in Metashape weiterverarbeiten wollen.
Der praktische Nutzen liegt darin, dass die äußere Orientierung nicht neu bestimmt werden muss. Die in Inpho ausgeglichenen Kamerapositionen und -drehungen werden übernommen, Metashape rechnet direkt mit Tiefenkarten, Punktwolke, DGM und Orthomosaik weiter. Das spart nicht nur Zeit, sondern hält vor allem die Georeferenzierung konsistent zu dem, was im Aerotriangulationsbericht dokumentiert ist. Wer beide Systeme im Haus hat, sollte nach dem Import stichprobenartig Passpunkte kontrollieren, bevor abgeleitete Produkte gerechnet werden.
AgisoftMetashape Professional – Photogrammetrie Software von Agisoft€3.420,00€3.965,53Zur Lizenz
Sentera-Panel Typ 3 für Multispektraldaten
Für multispektrale Auswertungen unterstützt 2.3.2 zusätzlich Reflexionskalibrierpanels vom Typ Sentera 3. Das ist ein enger Anwendungsfall, aber ein wichtiger: Ohne korrekt erkanntes Kalibrierpanel sind Reflexionswerte und daraus abgeleitete Indizes wie NDVI nicht zwischen Befliegungen vergleichbar. Wer in der Landwirtschaft oder im Umweltmonitoring über die Zeit auswertet, ist auf genau diese Vergleichbarkeit angewiesen.
Lohnt das Update?
Von 2.3.0 oder 2.3.1 kommend ist die Antwort unkompliziert: Das Update ist kostenfrei, ändert keine Projektstruktur und bringt Geschwindigkeit sowie Fehlerbehebungen. Ein Grund zu warten besteht nur, wenn ein laufendes Großprojekt unter einem validierten Stand produziert wird.
Interessanter ist der Sprung von 2.2. Über die gesamte 2.3er-Reihe sind einige Dinge hinzugekommen, die im Vermessungsalltag zählen: die Berechnung eines GNSS-Bias zur Korrektur systematischer Koordinatenversätze, Laserscan-Registrierung über 3D-Matches mit Tiefenkarten, Punktwolkenfilterung nach absoluter Höhe, Höhe über Grund oder Höhe über DGM, Fisheye-Kameramodelle nach Equidistant und Equisolid sowie parallele Exporte und parallele Tasks im Network Processing. Wer eine Wartung hält, hat den Zugriff ohnehin. Wer ohne Wartung auf einer 2.2-Lizenz sitzt, kann mit dieser Liste sauber gegenrechnen, ob sich das Upgrade rechnet.
Ein Hinweis zur Reihenfolge im Netzwerkbetrieb: Server und Clients sollten denselben Build fahren. Gemischte Stände im Network Processing führen zu Verbindungsproblemen, die sich schwer diagnostizieren lassen.
Wer den Umstieg plant, sollte vor dem produktiven Einsatz ein abgeschlossenes Referenzprojekt mit dem neuen Build durchrechnen und die Passpunkt- und Kontrollpunktfehler mit dem alten Bericht vergleichen. Weichen die Werte ab, liegt das in aller Regel an geänderten Voreinstellungen und nicht an der Rekonstruktion. Diese halbe Stunde erspart später die Diskussion, ob ein Ergebnis noch zum vereinbarten Genauigkeitsniveau passt.


